Was ist die DIN 1946-6?
Die DIN 1946-6 „Lüftung von Wohngebäuden“ ist eine Technische Norm, die Anforderungen an die Planung, Ausführung, Inbetriebnahme und Wartung von Lüftungsanlagen in Wohngebäuden beschreibt. Sie gilt als anerkannte Regel der Technik und ist in vielen Bundesländern bautechnisch verbindlich.
Die Norm wurde 2019 grundlegend überarbeitet. Wesentliche Änderungen betreffen das Berechnungsverfahren, die Infiltrationsberechnung und die Klassifizierung der Lüftungssysteme.
Wann ist ein Lüftungskonzept Pflicht?
Ein Lüftungskonzept ist in folgenden Situationen gesetzlich erforderlich:
Neubau: Immer. Da Neubauten luftdicht gebaut werden müssen (Energieeffizienz), reicht natürliche Infiltration nicht mehr für den notwendigen Feuchteschutz.
Sanierung – Fenstertausch: Wenn mehr als ein Drittel aller Fenster einer Wohneinheit erneuert werden, erhöht sich die Luftdichtheit der Gebäudehülle erheblich. Ein Lüftungskonzept ist zwingend.
Sanierung – Dachfläche: Wenn mehr als ein Drittel der Dachfläche neu abgedichtet wird, gilt dasselbe.
Weitere Maßnahmen: Auch andere Maßnahmen, die die Luftdichtheit wesentlich verändern (z. B. umfassende Fassadensanierung), können ein Lüftungskonzept auslösen.
Hinweis zum GEG: Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) schreibt ebenfalls vor, dass bei bestimmten Sanierungsmaßnahmen die Lüftungssituation geprüft werden muss. Das Lüftungskonzept ist damit nicht nur Normenpflicht, sondern auch gesetzliche Anforderung.
Die vier Lüftungsstufen nach DIN 1946-6
Die Norm unterscheidet vier Stufen des Luftbedarfs:
| Stufe | Bezeichnung | Zweck |
|---|---|---|
| 1 | Lüftung zum Feuchteschutz | Mindestlüftung, auch bei Abwesenheit der Nutzer, verhindert Schimmel |
| 2 | Reduzierte Lüftung | Bei zeitweiser Abwesenheit, sichert Bautenschutz |
| 3 | Nennlüftung | Normalbetrieb mit Nutzern, hygienisch ausreichend |
| 4 | Intensivlüftung | Lastspitzen nach Kochen, Duschen oder bei vielen Personen |
Das Lüftungskonzept muss nachweisen, dass mindestens Stufe 1 (Feuchteschutz) dauerhaft und nutzerunabhängig sichergestellt ist.
Wie wird der Luftbedarf berechnet?
Die Berechnung des notwendigen Außenluftvolumenstroms erfolgt nach einem mehrstufigen Verfahren:
Schritt 1 – Nutzungseinheit bestimmen
Größe, Grundriss und Belegung der Wohnung werden erfasst.
Schritt 2 – Gesamtvolumenstrom berechnen
Vereinfachte Formel nach DIN 1946-6: qv,ges = -0,001 × ANE² + 1,15 × ANE + 20 (ANE = Nutzfläche in m², qv,ges in m³/h). Alternativ: 30 m³/h je Person als Mindestansatz.
Schritt 3 – Infiltration berechnen
Wie viel Luft strömt unkontrolliert durch Undichtheiten? Relevant sind: n₅₀-Wert, Windschutzklasse, Belegungsdichte und Geschossanzahl. Für Bestandsgebäude wird ein n₅₀-Wert von 4,5 h⁻¹ angesetzt, für Sanierungen 1,0–2,0 h⁻¹.
Schritt 4 – Vergleich und Entscheidung
Liegt die berechnete Infiltration unter dem notwendigen Feuchteschutz-Luftwechsel, sind lüftungstechnische Maßnahmen zwingend erforderlich.
Wer darf ein Lüftungskonzept erstellen?
Ein Lüftungskonzept darf erstellt werden von:
- Energieberatern (BAFA-zertifiziert)
- Fachplanern für Gebäudetechnik / TGA
- Architekten mit entsprechender Qualifikation
- Schornsteinfegern (in einigen Bundesländern)
- Lüftungsanlagen-Fachbetrieben mit Planungskompetenz
Online-Tools existieren ebenfalls – die Qualität variiert jedoch stark. Für komplexe Gebäude oder wenn eine Förderung beantragt werden soll, ist ein qualifizierter Planer Pflicht.
Kosten für ein Lüftungskonzept
| Gebäudetyp | Online-Erstellung | Vor-Ort-Erstellung |
|---|---|---|
| Einfamilienhaus | ab 149 € | 350–800 € |
| Mehrfamilienhaus | 300–600 € | 400–1.500 € |
Bei BAFA-Förderantrag: Ein Energieeffizienz-Experte muss involviert sein – das Konzept ist dann Teil der Beratungsleistung und oft förderfähig.
Was passiert, wenn kein Lüftungskonzept vorliegt?
Rechtlich drohen bei Fehlen eines Lüftungskonzepts:
- Baugenehmigungsprobleme (bei Neubau)
- Verlust der Förderberechtigung (BAFA/KfW)
- Gewährleistungsrisiken für Planer und Handwerker
- Im Schadensfall (Schimmel, Bauschäden): Haftungsprobleme
Praktisch bedeutet fehlendes Lüftungskonzept oft: Schimmelbildung, schlechte Raumluftqualität und hohe Heizkosten.
Lüftungskonzept und PRANA: Was bedeutet das konkret?
Ein positives Lüftungskonzept – also der Nachweis, dass lüftungstechnische Maßnahmen notwendig sind – ist gleichzeitig der Startschuss für die Systemauswahl. PRANA-Rekuperatoren können als dezentrale Lösung im Lüftungskonzept berücksichtigt werden, wenn:
- Die berechneten Volumenströme mit den Geräteleistungen übereinstimmen
- Die Raumanzahl und -größe die dezentrale Lösung erlaubt
- Der Einbau bautechnisch möglich ist (Außenwanddurchbrüche)
Ein PRANA-zertifizierter Fachbetrieb kann das Lüftungskonzept und die Systemauslegung in einem Schritt erledigen.
FAQ: DIN 1946-6 und Lüftungskonzept
Muss ich bei jedem Fenstertausch ein Lüftungskonzept erstellen lassen?
Nur wenn mehr als ein Drittel aller Fenster der Wohneinheit getauscht werden. Bei einzelnen Fenstern ist kein Konzept erforderlich.
Ist ein Lüftungskonzept das Gleiche wie eine Lüftungsanlage?
Nein. Das Konzept ist die Planung und der Nachweis. Die Anlage ist die technische Umsetzung. Das Konzept kann zu dem Ergebnis kommen, dass keine Anlage nötig ist – wenn die Infiltration ausreicht.
Was kostet ein Lüftungskonzept für ein Einfamilienhaus?
Online ab ca. 149 €, vor Ort mit Beratung 350–800 €. Bei Einbindung eines Energieeffizienz-Experten für die BAFA-Förderung können die Kosten in die Beratungspauschale integriert werden.
Was ist der Unterschied zwischen DIN 1946-6 und DIN 18017-3?
DIN 1946-6 regelt die Wohnraumlüftung allgemein. DIN 18017-3 regelt speziell die Entlüftung fensterloser Innenräume (Bäder, WC) und enthält spezifische Anforderungen an Abluftvolumenströme.
Fazit
Das Lüftungskonzept nach DIN 1946-6 ist kein bürokratisches Ärgernis, sondern eine technische Absicherung: Es zeigt, ob ein Gebäude ausreichend belüftet wird und welche Maßnahmen nötig sind. Wer saniert oder neu baut, kommt daran nicht vorbei – und sollte es als Chance sehen, das Raumklima dauerhaft zu verbessern. Mit einem professionell erstellten Konzept und der richtigen Umsetzung ist der Grundstein für gesundes Wohnen gelegt.
