Warum Lüften im Altbau nach der Sanierung kritisch wird
Unsanierte Altbauten haben durch undichte Fugen, alte Fenster und Risse in der Gebäudehülle eine hohe natürliche Infiltrationsrate. Der Luftwechsel erfolgt unkontrolliert, aber immerhin ausreichend. Wer nun mehr als ein Drittel der Fenster tauscht, das Dach neu abdichtet oder Fassaden dämmt, reduziert diese Infiltration erheblich. Der n₅₀-Wert (Luftdichtheit) sinkt von typischerweise 5–8 h⁻¹ auf unter 2 h⁻¹. Gleichzeitig bleibt die Feuchtigkeit aus Atmung, Kochen und Duschen im Gebäude – ohne Abfuhrweg.
Folge: Schimmelbildung, erhöhte CO₂-Werte, muffige Luft und Bauschäden.
Welche Lüftungssysteme lassen sich im Altbau nachrüsten?
Option 1: Dezentrale Lüftungsgeräte (empfohlen für Altbau)
Dezentrale Einzelgeräte werden direkt in die Außenwand eingebaut – per Kernbohrung, ohne Kanalarbeiten. Das Gerät enthält Ventilator, Wärmetauscher und Filter in einer Einheit.
Vorteile:
- Keine Kanaltrassen, keine abgehängten Decken
- Installation in 2 Stunden pro Gerät
- Bewohnbar während der Montage
- Schrittweise Umsetzung möglich
- Funktioniert auch bei dicken Altbauaußenwänden (PRANA bis 740 mm)
Option 2: Zentrale KWL im Altbau
Eine zentrale Lüftungsanlage mit Kanalnetz im bewohnten Altbau nachzurüsten ist technisch aufwendig und oft nicht wirtschaftlich. Kanalverlegung erfordert abgehängte Decken oder Schlitze, ist oft nicht realisierbar ohne Kernsanierung und kostet 2–3x mehr als dezentrale Lösung.
Empfehlung: Zentrale KWL nur bei umfassenden Kernsanierungen oder im Neubau.
Option 3: Schachtlüftung / Abluftsystem
Reine Abluftsysteme sind günstiger, haben aber keine Wärmerückgewinnung. Sie sind für den Feuchteschutz in Bädern und Küchen geeignet, nicht als vollwertige Wohnraumlüftung.
Kernbohrung: Der entscheidende Schritt
Die Installation dezentraler Geräte erfordert eine Kernbohrung durch die Außenwand. Wichtige Parameter:
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Bohrerdurchmesser | 130–200 mm je nach Gerät |
| Kosten pro Bohrung | ca. 4–5 €/cm Wandstärke |
| Wandstärke Altbau | 30–50 cm (Gründerzeit bis 80 cm) |
| Typische Kosten | 150–300 € pro Kernbohrung |
| Dauer | 30–60 Minuten pro Bohrung |
Wandstärken und Lösungen:
- Standard (bis 30 cm): Standardgerät
- Dickwand (bis 50 cm): Verlängerungsrohr
- Gründerzeit (bis 80 cm): PRANA mit Wandverlängerung bis 740 mm möglich
Kosten: Was eine Lüftungsnachrüstung im Altbau kostet
Dezentrale Lüftung – Richtwerte:
| Komponente | Kosten |
|---|---|
| Lüftungsgerät (pro Stück) | 450–850 € |
| Kernbohrung (pro Bohrung) | 150–300 € |
| Elektroanschluss | 80–150 € |
| Inbetriebnahme & Einweisung | 100–200 € |
| Gesamt pro Raum | 800–1.500 € |
Gesamtkosten Einfamilienhaus (5–6 Räume):
- Geräte: 2.500–5.000 €
- Montage: 1.500–2.500 €
- Gesamt: 5.000–9.000 €
- Abzüglich BAFA-Förderung (15–20 %): 750–1.800 €
- Eigenanteil: ca. 4.000–7.500 €
Denkmalschutz: Besonderheiten und Lösungen
Bei denkmalgeschützten Gebäuden sind Außenwanddurchbrüche oft genehmigungspflichtig. Jedoch:
- Runde Kernbohrungen (13–16 cm) fallen bei sorgfältiger Ausführung optisch kaum auf
- Außengitter lassen sich in Fassadenfarbe lackieren
- PRANA bietet besonders kleine Außengitter (ab 13 cm Durchmesser)
- Antrag bei der Denkmalschutzbehörde mit Lüftungskonzept, Fotos und technischen Datenblättern
In der Praxis werden dezentrale Lösungen von Denkmalschutzbehörden in vielen Fällen genehmigt, wenn die Ausführung behutsam und optisch angepasst erfolgt.
Schritt-für-Schritt: So läuft die Nachrüstung ab
- Lüftungskonzept erstellen lassen – nach DIN 1946-6 prüfen, ob Maßnahmen notwendig sind
- Raumauswahl und Geräteanzahl festlegen – Schlaf-, Wohn- und Kinderzimmer priorisieren
- Montageorte planen – Wandfläche, Möblierung, Außenoptik berücksichtigen
- Kernbohrung beauftragen – Fachbetrieb, da Schlagregen-Abdichtung entscheidend ist
- Geräte einsetzen und abdichten – Wärmedämmung um das Kernrohr wichtig
- Elektroanschluss – 230V-Anschluss je Gerät
- Inbetriebnahme – Volumenströme prüfen, Sensoren kalibrieren
- Nutzereinweisung – Bedienung, Filterwechselintervalle erklären
BAFA-Förderung für Lüftungsanlagen im Altbau
Dezentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung werden im Bestandsgebäude über das BEG EM (Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen) gefördert:
| Fördertyp | Fördersatz |
|---|---|
| Grundförderung | 15 % |
| Mit iSFP-Bonus | +5 % = 20 % |
| Maximale förderfähige Kosten | 60.000 € je Wohneinheit |
Voraussetzungen:
- Antrag vor Auftragsvergabe stellen
- Energieeffizienz-Experte einbinden (Pflicht)
- Anlage muss Mindestanforderungen an Wärmerückgewinnung erfüllen
FAQ: Lüftung nachrüsten im Altbau
Ab wann lohnt sich die Nachrüstung wirtschaftlich?
Bei Netto-Heizkosteneinsparungen von 300–500 €/Jahr und Gesamtkosten nach Förderung von 4.000–6.000 € ergibt sich eine Amortisationszeit von 8–15 Jahren. Bei steigenden Energiepreisen kürzer.
Muss ich alle Räume gleichzeitig ausstatten?
Nein – dezentrale Nachrüstung erlaubt eine schrittweise Umsetzung. Starten Sie mit Schlaf- und Kinderzimmer.
Wie laut ist das Gerät im Altbau?
Im Grundbetrieb 25–35 dB – vergleichbar mit einem leisen Kühlschrank. In alten Gebäuden mit Straßenlärm kaum wahrnehmbar.
Ist ein Lüftungskonzept für die Förderung Pflicht?
Ja – für die BAFA-Förderung muss ein Energieeffizienz-Experte eingebunden sein. Ein Lüftungskonzept ist Bestandteil davon.
Fazit
Die Nachrüstung einer Lüftungsanlage im Altbau ist technisch möglich, wirtschaftlich sinnvoll und mit staatlicher Förderung deutlich günstiger als oft angenommen. Dezentrale Systeme wie PRANA sind eine besonders pragmatische Lösung: schnelle Installation, keine Kanalarbeiten, hohe Effizienz und Wandstärken bis 740 mm. Wer jetzt saniert, sollte die Lüftung von Anfang an mitdenken – und nicht erst dann, wenn der Schimmel an den Wänden erscheint.
