Wohnraum mit dezentralem Lüftungsgerät an der Außenwand
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Raumluft & Wohnklima

Lüftung nachrüsten im Altbau: Kosten, Möglichkeiten & Förderung

Unsanierte Altbauten haben durch undichte Fugen, alte Fenster und Risse in der Gebäudehülle eine hohe natürliche Infiltrationsrate. Der Luftwechsel erfolgt unkontrolliert, aber immerhin ausreichend. Wer nun mehr als ein Drittel der Fenster tauscht, das Dach neu abdichtet oder Fassaden dämmt, reduziert diese Infiltration erheblich. Der n₅₀-Wert (Luftdichtheit) sinkt von typischerweise 5–8 h⁻¹ auf unter 2 h⁻¹. Gleichzeitig bleibt die Feuchtigkeit aus Atmung, Kochen und Duschen im Gebäude – ohne Abfuhrweg.

Stand 27.06.20264 Min. LesezeitFachredaktion Air Prana Germany

Warum Lüften im Altbau nach der Sanierung kritisch wird

Folge: Schimmelbildung, erhöhte CO₂-Werte, muffige Luft und Bauschäden.

Welche Lüftungssysteme lassen sich im Altbau nachrüsten?

Option 1: Dezentrale Lüftungsgeräte (empfohlen für Altbau)

Dezentrale Einzelgeräte werden direkt in die Außenwand eingebaut – per Kernbohrung, ohne Kanalarbeiten. Das Gerät enthält Ventilator, Wärmetauscher und Filter in einer Einheit.

Vorteile:

  • Keine Kanaltrassen, keine abgehängten Decken
  • Installation in 2 Stunden pro Gerät
  • Bewohnbar während der Montage
  • Schrittweise Umsetzung möglich
  • Funktioniert auch bei dicken Altbauaußenwänden (PRANA bis 740 mm)

Option 2: Zentrale KWL im Altbau

Eine zentrale Lüftungsanlage mit Kanalnetz im bewohnten Altbau nachzurüsten ist technisch aufwendig und oft nicht wirtschaftlich. Kanalverlegung erfordert abgehängte Decken oder Schlitze, ist oft nicht realisierbar ohne Kernsanierung und kostet 2–3x mehr als dezentrale Lösung.

Empfehlung: Zentrale KWL nur bei umfassenden Kernsanierungen oder im Neubau.

Option 3: Schachtlüftung / Abluftsystem

Reine Abluftsysteme sind günstiger, haben aber keine Wärmerückgewinnung. Sie sind für den Feuchteschutz in Bädern und Küchen geeignet, nicht als vollwertige Wohnraumlüftung.

Kernbohrung: Der entscheidende Schritt

Die Installation dezentraler Geräte erfordert eine Kernbohrung durch die Außenwand. Wichtige Parameter:

ParameterWert
Bohrerdurchmesser130–200 mm je nach Gerät
Kosten pro Bohrungca. 4–5 €/cm Wandstärke
Wandstärke Altbau30–50 cm (Gründerzeit bis 80 cm)
Typische Kosten150–300 € pro Kernbohrung
Dauer30–60 Minuten pro Bohrung

Wandstärken und Lösungen:

  • Standard (bis 30 cm): Standardgerät
  • Dickwand (bis 50 cm): Verlängerungsrohr
  • Gründerzeit (bis 80 cm): PRANA mit Wandverlängerung bis 740 mm möglich

Kosten: Was eine Lüftungsnachrüstung im Altbau kostet

Dezentrale Lüftung – Richtwerte:

KomponenteKosten
Lüftungsgerät (pro Stück)450–850 €
Kernbohrung (pro Bohrung)150–300 €
Elektroanschluss80–150 €
Inbetriebnahme & Einweisung100–200 €
Gesamt pro Raum800–1.500 €

Gesamtkosten Einfamilienhaus (5–6 Räume):

  • Geräte: 2.500–5.000 €
  • Montage: 1.500–2.500 €
  • Gesamt: 5.000–9.000 €
  • Abzüglich BAFA-Förderung (15–20 %): 750–1.800 €
  • Eigenanteil: ca. 4.000–7.500 €

Denkmalschutz: Besonderheiten und Lösungen

Bei denkmalgeschützten Gebäuden sind Außenwanddurchbrüche oft genehmigungspflichtig. Jedoch:

  • Runde Kernbohrungen (13–16 cm) fallen bei sorgfältiger Ausführung optisch kaum auf
  • Außengitter lassen sich in Fassadenfarbe lackieren
  • PRANA bietet besonders kleine Außengitter (ab 13 cm Durchmesser)
  • Antrag bei der Denkmalschutzbehörde mit Lüftungskonzept, Fotos und technischen Datenblättern

In der Praxis werden dezentrale Lösungen von Denkmalschutzbehörden in vielen Fällen genehmigt, wenn die Ausführung behutsam und optisch angepasst erfolgt.

Schritt-für-Schritt: So läuft die Nachrüstung ab

  1. Lüftungskonzept erstellen lassen – nach DIN 1946-6 prüfen, ob Maßnahmen notwendig sind
  2. Raumauswahl und Geräteanzahl festlegen – Schlaf-, Wohn- und Kinderzimmer priorisieren
  3. Montageorte planen – Wandfläche, Möblierung, Außenoptik berücksichtigen
  4. Kernbohrung beauftragen – Fachbetrieb, da Schlagregen-Abdichtung entscheidend ist
  5. Geräte einsetzen und abdichten – Wärmedämmung um das Kernrohr wichtig
  6. Elektroanschluss – 230V-Anschluss je Gerät
  7. Inbetriebnahme – Volumenströme prüfen, Sensoren kalibrieren
  8. Nutzereinweisung – Bedienung, Filterwechselintervalle erklären

BAFA-Förderung für Lüftungsanlagen im Altbau

Dezentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung werden im Bestandsgebäude über das BEG EM (Bundesförderung für effiziente Gebäude – Einzelmaßnahmen) gefördert:

FördertypFördersatz
Grundförderung15 %
Mit iSFP-Bonus+5 % = 20 %
Maximale förderfähige Kosten60.000 € je Wohneinheit

Voraussetzungen:

  • Antrag vor Auftragsvergabe stellen
  • Energieeffizienz-Experte einbinden (Pflicht)
  • Anlage muss Mindestanforderungen an Wärmerückgewinnung erfüllen

Fazit

Die Nachrüstung einer Lüftungsanlage im Altbau ist technisch möglich, wirtschaftlich sinnvoll und mit staatlicher Förderung deutlich günstiger als oft angenommen. Dezentrale Systeme wie PRANA sind eine besonders pragmatische Lösung: schnelle Installation, keine Kanalarbeiten, hohe Effizienz und Wandstärken bis 740 mm. Wer jetzt saniert, sollte die Lüftung von Anfang an mitdenken – und nicht erst dann, wenn der Schimmel an den Wänden erscheint.

Häufige Fragen

Ab wann lohnt sich die Nachrüstung wirtschaftlich?

Bei Netto-Heizkosteneinsparungen von 300–500 €/Jahr und Gesamtkosten nach Förderung von 4.000–6.000 € ergibt sich eine Amortisationszeit von 8–15 Jahren. Bei steigenden Energiepreisen kürzer.

Muss ich alle Räume gleichzeitig ausstatten?

Nein – dezentrale Nachrüstung erlaubt eine schrittweise Umsetzung. Starten Sie mit Schlaf- und Kinderzimmer.

Wie laut ist das Gerät im Altbau?

Im Grundbetrieb 25–35 dB – vergleichbar mit einem leisen Kühlschrank. In alten Gebäuden mit Straßenlärm kaum wahrnehmbar.

Ist ein Lüftungskonzept für die Förderung Pflicht?

Ja – für die BAFA-Förderung muss ein Energieeffizienz-Experte eingebunden sein. Ein Lüftungskonzept ist Bestandteil davon.

Quellen & Stand

Stand der Angaben: 27.06.2026. Fördersätze und Normen ändern sich; für Ihr Vorhaben prüfen Energieberater die Förderfähigkeit, wir begleiten und dokumentieren.

Fachredaktion Air Prana Germany

Fachlich geprüft von der Anwendungstechnik der Air Prana Germany UG — dezentrale Lüftung mit Wärmerückgewinnung, Auslegung nach DIN 1946-6.

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