Dezentrale Lüftungsgeräte wie das PRANA 210g ERP Pro M23 werden direkt in der Außenwand installiert. Das Herzstück der Installation ist die Kernbohrung – ein präziser runder Wanddurchbruch, durch den das Einbaugehäuse des Geräts geführt wird. Wer diesen Schritt versteht, kann Fehler vermeiden und den Einbau realistisch planen.
Was ist eine Kernbohrung?
Bei der Kernbohrung wird mit einer Diamantbohrkrone ein zylindrischer Kern aus dem Wandmaterial geschnitten. Im Unterschied zur Meißeltechnik entsteht ein sauberer, präziser Durchbruch ohne Risse im umliegenden Mauerwerk. Für Lüftungsanlagen ist die Kernbohrung das Standardverfahren – sie ermöglicht die exakte Passung für das Einbaugehäuse des Geräts.
Welcher Durchmesser wird benötigt?
Das richtet sich nach dem jeweiligen Gerät und Hersteller. Für das PRANA 210g ERP Pro M23 gilt:
- Einbaugehäuse-Außendurchmesser: 160 mm
- Erforderliche Bohrung: ca. 168–180 mm (Spielraum für Abdichtung und saubere Passung)
Allgemeine Richtwerte dezentrale Lüftungsgeräte:
- Kompaktgeräte (Ø 100–125 mm Gehäuse): Bohrung Ø 125–150 mm
- Mittelgroße Geräte (Ø 150–160 mm): Bohrung Ø 165–180 mm
- Großgeräte (Ø 200+ mm): entsprechend angepasst
Die genauen Angaben stehen im Montagehandbuch des jeweiligen Geräts – immer die Herstellervorgabe verwenden, nicht schätzen.
Neigung der Bohrung: warum 2–3°?
Dezentrale Lüftungsgeräte erzeugen im Betrieb Kondensat – besonders im Winter, wenn warme Abluft auf den kalten Wärmetauscher trifft. Das Kondensat muss nach außen abfließen können.
Anforderung: Die Bohrung wird mit einem Gefälle von 2–3° nach außen ausgeführt. Das bedeutet: Die Außenöffnung liegt minimal tiefer als die Innenöffnung. So fließt Feuchtigkeit nach außen ab und sammelt sich nicht im Gerät.
Bei einer Wandstärke von 40 cm ergibt ein Gefälle von 3° einen Höhenunterschied von ca. 2 cm zwischen innen und außen – gut erkennbar, nicht störend.
Wandmaterialien und Schwierigkeitsgrad
| Material | Bohrbarkeit | Besonderheit |
|---|---|---|
| Poroton / Leichtziegel | Einfach | Weich, saubere Kanten |
| Vollziegel, Kalksandstein | Mittel | Stabiles Ergebnis |
| Porenbeton (Ytong) | Einfach | Weich, Bruchgefahr bei zu schnellem Bohren |
| Stahlbeton | Schwierig | Bewehrungsortung Pflicht; Nassbohrung nötig |
| Holzrahmenbau | Mittel | Ständerwerk und Dämmebene beachten |
| WDVS-Fassade | Aufwendig | Dämmlage getrennt durchbohren, sorgfältig abdichten |
Wichtig bei Stahlbeton: Vor der Bohrung Bewehrung orten (Bewehrungsscanner, auch leihbar im Baumarkt). Wird Bewehrungsstahl getroffen, kann das die statische Tragfähigkeit beeinflussen. Bei tragenden Betonwänden sollte ein Statiker die Bohrungsposition freigeben.
Nassbohrung oder Trockenbohrung?
| Verfahren | Einsatzbereich | Hinweis |
|---|---|---|
| Nassbohrung | Beton, Stahlbeton | Wasser kühlt Bohrkrone, bindet Staub, höhere Standzeit |
| Trockenbohrung | Ziegel, Leichtbaustoffe | Ohne Wasser, weniger Aufwand, mehr Staub |
Für Außenwände aus Ziegel und Kalksandstein ist die Trockenbohrung in der Regel ausreichend. Bei bewehrtem Beton ist die Nassbohrung Standard.
Schritt-für-Schritt: Ablauf der Kernbohrung
1. Vorbereitung
- Position auf beiden Seiten der Wand markieren (Schnurausrichtung innen ↔ außen)
- Neigung von 2–3° nach außen berücksichtigen
- Leitungen prüfen: Strom-, Wasser- und Gasleitungen mit geeignetem Ortungsgerät lokalisieren
- Bei Stahlbeton: Bewehrung orten
2. Bohrausführung
- Kernbohrgerät (Profi) oder Leihgerät + Diamantbohrkrone verwenden
- Bohrung bevorzugt von innen nach außen beginnen – so fällt der Bohrkern nach außen heraus
- Bei WDVS: Dämmebene ggf. separat bearbeiten
- Tempo anpassen: bei Porenbeton langsam, bei Ziegel mittel, bei Beton langsam + Wasser
3. Abdichtung und Einbau
- Ringraum zwischen Gehäuse und Wanddurchbruch mit geeignetem Material füllen
- Empfohlen: Mineralwolle (Innenseite, Dämmwirkung) + Kompriband/PU-Schaum (luftdichte Hülle)
- Silikon allein ist langfristig keine zuverlässige Lösung (altert, verliert Haftung)
- Außengitter oder Haube des Geräts schützt gegen Schlagregen – muss schlagregensicher abgedichtet sein
4. Stromversorgung
- Ein 230-V-Anschluss in der Nähe der Geräteposition ist Pflicht
- Idealerweise direkt vor oder während der Rohbauphase verlegen
Kosten: Eigenleistung vs. Fachbetrieb
| Variante | Kosten | Aufwand |
|---|---|---|
| Fachbetrieb beauftragen | 70–170 € netto/Bohrung | Minimal; Anfahrt, Bohrung, Entsorgung inklusive |
| Leihgerät + Selbstausführen | ab 50 € (Geräteeihe) | Zeitaufwand ~1–2 h; Materialwissen nötig |
Bei einem 4-Personen-Haushalt mit 4–6 Lüftungsgeräten liegen die Kernbohrkosten durch einen Fachbetrieb typischerweise bei 300–900 € netto gesamt. Die Kernbohrung macht den kleineren Teil der gesamten Installationskosten aus; bei schlechtem Ergebnis (Risse, Fehlposition) entstehen aber hohe Folgekosten.
Empfehlung: Kernbohrungen in Stahlbeton oder bei unklarer Wandstruktur immer vom Fachbetrieb ausführen lassen. Bei einfachem Ziegelmauerwerk ist eine Eigenleistung mit geliehenen Geräten realistisch, wenn Erfahrung mit Bohrarbeiten vorhanden ist.
Schallschutz am Wanddurchbruch
Die Kernbohrung ist die Schwachstelle der Schalldämmung in der Außenwand. Maßnahmen:
- Systemrohr des Geräts mit integrierter Schalldämmung verwenden (herstellerspezifisch)
- Ringspalt zwischen Gehäuse und Bohrung vollflächig mit Mineralwolle oder Kautschuk ausstopfen – keine Luftbrücke
- Innenseitig: Montageplatte oder Innenrahmen des Geräts schließt den Schallweg ab
Ein korrekt ausgeführter Einbau zeigt im Wohnraum keine hörbaren Außengeräusche durch die Bohrungsöffnung.
FAQ: Kernbohrung für Lüftungsanlage
Kann ich die Kernbohrung selbst ausführen?
Bei einfachem Ziegel- oder Kalksandsteinmauerwerk ja, wenn ein geeignetes Leihgerät verfügbar ist und keine Bewehrung vorhanden ist. Bei Stahlbeton immer Fachbetrieb.
Benötige ich eine Genehmigung für die Kernbohrung?
In der Regel nicht – es handelt sich um eine Maßnahme der baulichen Instandhaltung. In denkmalgeschützten Gebäuden oder bei Außenwänden mit besonderem Bestandsschutz kann eine Genehmigung nötig sein.
Was ist, wenn ich die Position nachträglich ändern möchte?
Das ist aufwendig: Die alte Bohrung muss verfüllt werden (Mörtel, Stopfmasse), die neue Position neu gebohrt werden. Deshalb: Standort sorgfältig planen, Lüftungskonzept vorab erstellen.
Wie lang muss das Einbaugehäuse sein?
Die Gehäuselänge muss der tatsächlichen Wandstärke entsprechen. Bei PRANA gibt es Gehäuse in verschiedenen Längen. Außenputz und WDVS zählen zur Gesamttiefe dazu.
Muss die Bohrung geneigt sein?
Ja – ohne Neigung nach außen sammelt sich Kondensat im Gerät. Das ist ein häufiger Installationsfehler. Immer 2–3° Neigung zur Außenseite einhalten.
Fazit
Die Kernbohrung ist handwerklich keine Hochkomplexität, aber sie erfordert Sorgfalt bei Standortwahl, Neigung, Materialauswahl und Abdichtung. Fehler lassen sich nur mit großem Aufwand korrigieren. Eine gute Planung vor der ersten Bohrung – inklusive Lüftungskonzept und Besprechung mit dem Gerätelieferanten – zahlt sich mehrfach aus.
Das PRANA-Team berät zur korrekten Installationsvorbereitung und vermittelt auf Wunsch qualifizierte Handwerksbetriebe. Anfragen über airprana.de.
