Zu wenig Luft: Schimmelgefahr, CO₂-Anstieg, Gerüche. Zu viel Luft: Zugluft, Energieverlust, Geräusche. Der Volumenstrom – die pro Stunde ausgetauschte Luftmenge – ist die zentrale Einstellgröße jeder Lüftungsanlage. Wie er berechnet wird, was DIN 1946-6 vorschreibt und wie die Einstellung in der Praxis aussieht, erklärt dieser Artikel.
Was ist der Volumenstrom?
Der Volumenstrom (Einheit: m³/h) beschreibt, wie viel Luft pro Stunde durch eine Lüftungsanlage bewegt wird. Bei der kontrollierten Wohnraumlüftung (KWL) gibt es zwei Richtungen:
- Zuluft: Frischluft von außen in Wohnräume (Wohnzimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer)
- Abluft: verbrauchte Raumluft aus Küche, Bad, WC nach außen
Ziel ist eine ausgeglichene Luftbilanz: Zuluftmenge ≈ Abluftmenge. Abweichungen erzeugen Über- oder Unterdruck, der in der Praxis Probleme bereitet.
Lüftungsstufen nach DIN 1946-6
Die Norm definiert vier Betriebsstufen, die jede Anlage abbilden muss:
| Stufe | Bezeichnung | Anteil an Nennlüftung | Typischer Anlass |
|---|---|---|---|
| 1 | Feuchteschutz | 40 % | Dauerleerbetrieb, Urlaub |
| 2 | Reduzierte Lüftung | 70 % | kurze Abwesenheit tagsüber |
| 3 | Nennlüftung | 100 % | Normalbetrieb mit Bewohnern |
| 4 | Intensivlüftung | 130 % | Kochen, Gäste, erhöhte Feuchte |
Der Nennvolumenstrom (Stufe 3) ist der Bemessungswert für die Auslegung – alle anderen Stufen leiten sich davon ab.
Volumenstrom berechnen: drei Wege nach DIN 1946-6
DIN 1946-6 kennt drei Berechnungsverfahren. Die Planung wählt den Ansatz, der für das Gebäude am besten passt – maßgebend ist der jeweils größte errechnete Wert.
Verfahren 1: Nach Fläche (Vereinfacht)
Die Norm gibt in Tabelle 5 Volumenströme je Nutzungseinheit in Abhängigkeit von der Wohnfläche vor. Für ein typisches Einfamilienhaus (130 m²) ergibt sich so ein Nennvolumenstrom von ca. 150–200 m³/h. Dieses Verfahren ist das gängigste für Einfamilienhäuser.
Verfahren 2: Nach Ablufträumen
Je nach Raumtyp werden feste Abluftmengen angesetzt:
- Bad: 45 m³/h
- WC ohne Bad: 25 m³/h
- Küche: 45–60 m³/h (je nach Ausstattung)
- Hauswirtschaftsraum: 45 m³/h
Die Summe aller Ablufträume ergibt den Gesamtvolumenstrom.
Verfahren 3: Nach Personenzahl
Je Person werden 30 m³/h Nennvolumenstrom angesetzt. Bei 4 Personen = 120 m³/h. Für Gebäude mit bekannter, stabiler Belegung ein guter Anhaltspunkt.
Praxisbeispiel: Einfamilienhaus, 140 m²
Gebäudedaten: 4-Personen-Haushalt, 3 Schlafzimmer, 1 Bad, 1 Gäste-WC, Küche
| Methode | Ergebnis |
|---|---|
| Nach Fläche (Tab. 5) | ca. 165 m³/h |
| Nach Ablufträumen (Bad 45 + WC 25 + Küche 45) | 115 m³/h |
| Nach Personen (4 × 30) | 120 m³/h |
Maßgebend: 165 m³/h (höchster Wert, Flächenverfahren)
Dezentrale Geräte werden dann so verteilt, dass die Summe ihrer Nennvolumenströme diesen Wert erreicht – bei einem PRANA 210g ERP pro Raum mit 50–70 m³/h Nennstufe ergibt sich die Geräteanzahl daraus.
Einstellung in der Praxis
Schritt 1: Soll-Werte aus dem Lüftungskonzept übernehmen
Das Lüftungskonzept legt die Volumenströme für jeden Raum und jede Stufe fest. Vor der Einstellung muss dieses Dokument vorliegen.
Schritt 2: Messung am Gerät und an den Auslässen
Zur Messung werden eingesetzt:
- Flügelradanemometer (z. B. testo 417): misst Strömungsgeschwindigkeit direkt am Auslass, berechnet daraus den Volumenstrom
- Differenzdruckmessgerät: misst den Druckverlust im System
Bei dezentralen Geräten wie dem PRANA erfolgt die Einstellung in der Regel über die Stufenauswahl (Fernbedienung oder App) – feinere Anpassungen über Drehzahlregelung am Gerät.
Schritt 3: Abgleich und Protokoll
DIN EN 12599 (Abnahme von RLT-Anlagen) schreibt vor, dass gemessene Volumenströme nicht mehr als ±15 % vom Planungswert abweichen dürfen. Nach der Einregulierung ist ein Abnahmeprotokoll zu erstellen.
Typische Symptome bei Fehleinstellung
Zu geringer Volumenstrom:
- Feuchte Stellen an Wänden, Schimmelansatz in Ecken
- CO₂-Anstieg (> 1.000 ppm), Müdigkeit, Kopfschmerzen
- Gerüche in Bad und Küche, die nicht abziehen
Zu hoher Volumenstrom:
- Zugluftgefühl, besonders in Bodennähe
- Strömungsgeräusche aus Auslässen
- Erhöhter Energieverbrauch ohne Qualitätsgewinn
Luftwechselrate und n50-Wert
Die Luftwechselrate (n) gibt an, wie oft pro Stunde das Raumvolumen ausgetauscht wird. Faustregel: 0,3–0,5 h⁻¹ als Mindestluftwechsel in Wohnräumen.
Davon zu unterscheiden ist der n50-Wert aus dem Blower-Door-Test: Er beschreibt die unkontrollierte Luftinfiltration durch Undichtigkeiten bei 50 Pa Druckdifferenz. Das GEG fordert:
- ≤ 3,0 h⁻¹ ohne Lüftungsanlage
- ≤ 1,5 h⁻¹ mit Lüftungsanlage (mechanisch)
- ≤ 0,6 h⁻¹ bei KfW-EH40
Je luftdichter das Gebäude, desto wichtiger die kontrollierte Lüftung – und desto präziser muss die Volumenstromeinstellung sein, da kaum Ausgleich durch Fugen stattfindet.
PRANA und Volumenstromregelung
Das PRANA 210g ERP Pro M23 bietet mehrere Leistungsstufen mit definierten Volumenströmen:
- Stufe 1: ~14 m³/h (Feuchteschutz)
- Stufe 3: ~32–52 m³/h (Nennlüftung, je nach Konfiguration)
- Stufe 6: ~70–85 m³/h (Intensivlüftung)
Die Stufenzuordnung lässt sich auf die tatsächlichen Nennwerte aus dem Lüftungskonzept abstimmen. Für die Fachplanung empfiehlt PRANA die Einbindung eines zertifizierten Lüftungsplaners zur normengerechten Auslegung.
FAQ: Volumenstrom und Einstellung
Kann ich den Volumenstrom selbst messen?
Ja, mit einem Flügelradanemometer (Mietgeräte ab ca. 30 €/Tag). Für eine normgerechte Abnahme nach DIN EN 12599 ist aber ein Fachmann erforderlich.
Was passiert, wenn das Lüftungskonzept fehlt?
Ohne Lüftungskonzept erfolgt die Einstellung nach Schätzung – das Ergebnis ist entweder zu viel oder zu wenig Luft. In Gebäuden mit Lüftungspflicht (DIN 1946-6) ist das Konzept ohnehin Pflicht.
Wie oft muss der Volumenstrom nachgeprüft werden?
Bei Erstinstallation: Abnahme direkt nach Inbetriebnahme. Danach: bei Änderung der Nutzung, nach Filterwechsel oder wenn Symptome auftreten.
Beeinflusst die Filterverschmutzung den Volumenstrom?
Ja, erheblich. Ein verschmutzter Filter erhöht den Druckverlust und reduziert den tatsächlichen Volumenstrom. Regelmäßiger Filterwechsel ist daher auch für die Volumenstromkonstanz wichtig.
Wie wirkt sich ein Über- oder Unterdruck auf das Gebäude aus?
Überdruck (Zuluft > Abluft) drückt feuchte Luft in die Gebäudestruktur – Schimmelrisiko. Unterdruck saugt kalte Außenluft durch Undichtigkeiten – Zugluft und Energieverlust.
Fazit
Der Volumenstrom ist kein Zufallswert, sondern das Ergebnis einer Berechnung nach DIN 1946-6 – und die Grundlage für Luftqualität, Feuchteschutz und Energieeffizienz. Die korrekte Einstellung erfordert Planungsunterlagen, Messtechnik und eine strukturierte Einregulierung. Für dezentrale Geräte wie PRANA ist die stufenweise Regelung direkt am Gerät das einfachste Werkzeug – in Kombination mit einem Lüftungskonzept das vollständige System.
Das PRANA-Team unterstützt bei der Auslegung und vermittelt qualifizierte Lüftungsplaner. Anfragen über airprana.de.
